Leseprobe

 

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Im Laufe meines Autorentages von Karin Ann Müller gibt es hier nun eine Leseprobe aus dem wunderbaren Buch „Tadamun“. Eigentlich ist es ein Brief von Lilli an ihre beste Freundin Britt. 

 

„Liebe Britt,

könntest du mich jetzt nur sehen! Ich kann es selbst noch kaum fassen, aber ich sitze tatsächlich mitten in der Nacht bei Kerzenlicht auf unserer Alm. Du hast Recht gehabt. Die Hütte ist mittlerweile schon recht schäbig, aber trotzdem ist sie für mich zur Zuflucht geworden. Ich möchte gar nicht erst anfangen, dir groß zu erklären, weswegen ich hier gelandet – besser – gestrandet bin. Nur ganz kurz: Irgendwie ist mein Leben in der letzten Zeit (eher wohl in den letzten Jahren) außer Kontrolle geraten. Die Mädchen sind seit Montag bei einer Pflegefamilie untergebracht. Und ich bin abgehauen, weil ich es zu Hause nicht mehr ausgehalten habe ohne sie. Durch Zufall ist mir dein Brief in die Hände gefallen, und da wusste ich, dass ich hierher kommen musste.

Ich denke, ich kann es schaffen, ein normales Leben zu führen. Aber eines, in dem Wolli keine Rolle spielen wird. Durch ihn ist es letzten Montag passiert. Das mit dem Jugendamt. Mittlerweile weiß ich gar nicht mehr, was ich jemals an ihm gefunden habe. Ich weiß, Britt, was du jetzt sagen möchtest. Und ich gebe dir vollkommen Recht. Vielleicht musste ich selbst darauf kommen.

Sobald ich einige Dinge geregelt habe, werde ich zu meinen Eltern fahren. Ich hoffe, zusammen mit den Zwillingen. Und ich möchte dich unbedingt wiedersehen. Ich werde mich bei dir melden, ganz fest versprochen.

Die Schönheit und die ruhe der Berge tun mir gut und lenken mich ab. Genauso natürlich die Bewegung. ich bin am Mittwochmorgen in Oberstdorf losgelaufen, mit meinem alten Rucksack und den Wanderschuhen von damals. Mir tut immer noch alles weh und meine Füße waren schrecklich wund. Ich habe einiges erlebt auf dem Weg hierher. Das werde ich dir alles erzählen, wenn wir uns sehen.

Ich schicke dir ganz herzliche Grüße von „unserer Alm“ und wünschte, du wärest hier bei mir, meine liebste Freundin. Und nochmals vielen Dank für deinen Brief, den ich leider erst jetzt beantworte.

Deine Freundin Lilli

PS. Mir über „die schöne Minerva“ Gedanken zu machen, soweit bin ich leider noch nicht. Irgendwann vielleicht. Es würde mir sicher viel Freude machen, wieder als Steinmetzin oder Bildhauerin zu arbeiten.“

Diesen Brief schrieb Lilli an ihre Freundin ohne zu ahnen was noch alles auf sie zu kommen und wie sie an all den Geschehnissen wachsen würde.

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