Tag 4 von #wirsindtraumfaenger 

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Als am 23. Oktober 1989 meine Tochter Tamara geboren wurde, war sie aufgrund eines Hebammenfehlers klinisch tot und wurde von einem  Kinderneonatologie Team über Stunden reanimiert und intensiv versorgt. Zwei lange Tage und Nächte wusste ich nicht ob meine Tochter überleben würde. Sie erlitt eine massive Gehirnblutung durch die Nabelschnurumschlingung und musste 4 Wochen auf der Intensivstation für Neueborene verbringen. Es war für mich ein furchtbarer Anblick, mein Baby an so vielen Maschinen angeschlossen zu sehen, und es war wunderschön als sie im Anschluss in ein Wärmebettchen kam und ich sie wickeln und füttern konnte und mit ihr kuscheln durfte.

Nach langen 9 Wochen durfte Tamara mit nach Hause kommen, mit der ungewissen Diagnose, dass man nicht sagen könne ob und welche Schäden sie haben würde. Ich sollte damit rechnen, dass mein Kind ein Leben lang ein Pflegefall bleiben würde, dass sie nur im Bett bzw. Rollstuhl liegen würde und nichts alleine machen kann. Ich habe mit ihr jeden Tag bis zu 10 mal physiotherapeutische Übungen gemacht, ihr wenn sie wach war vorgesungen, vorgelesen und ständig gesprochen. Mit zwei Monaten hat sie das erste Mal gelächelt und mit 5 Monaten ist sie ganz alleine gesessen. Mit 7 Monaten hat sie mit dem Löffel alleine gegessen und mit 8 Monaten Mama gesagt. Ich habe so geheult sag ich euch. Mit 11 Monaten ist sie gelaufen, krabbeln war ihr zu langsam. Die folgenden zwei Jahre hat sie sich komplett normal entwickelt, doch im 3. Lebensjahr zeigten sich erste Verhaltensauffälligkeiten. Ich bin zu einigen Ärzten und Psychologen gegangen, von Trotzphase bis unerzogen habe ich alles gehört. Ich habe an mir selbst gezweifelt und gedacht ich bin eine schlechte Mutter. Erst nach 3 Jahren hat mir eine Kinderärztin aus einer anderen Stadt nach 10 Minuten gesagt: „Ihr Kind ist behindert, bitte nicht erschrecken!“ Ich war natürlich sehr traurig aber auch froh endlich eine Diagnose zu haben und jedem sagen zu können, dass ich nicht schuld bin. Trotz Schädel CTs, und einem mehrwöchigen Klinikaufenthalt konnte mir keiner sagen, warum. Das Gehirn war normal entwickelt, sie war zwar etwas kleiner und eher zart, aber bitte ich hatte immer 45 kg bei 160 cm. Sollte mein Kind da ein Riese sein? Viele Jahre lang zückten die Ärzte immer ihre Statistiken und von Zwergenwuchs über ADHS, von Autismus bis Stoffwechselstörung und was der Geier noch alles hörte ich von ihnen. Alles was sie interessierte war wie groß, wie schwer und wie groß der Kopfumfang von Tamara war. Irgendwann hatte ich genug davon, ging zu meinem befreundeten Hausarzt und fragte ihn was ich machen könnte. Er hat mich in den Arm genommen. mir gesagt, dass ich alles perfekt mache, ich solle Tamara weiterhin wie jedes andere Kind behandeln, sie fördern ohne zu überfordern und ansonsten sie einfach lieben und die Zeit mit ihr genießen und diese verdammten Statistiken vergessen. Das habe ich dann tatsächlich gemacht, und siehe da es ging uns beiden bald viel besser. Denn obwohl diese Ärzte immer gesagt hatten, sie würde nie sitzen oder gehen können, nie etwas alleine machen, zog sich mein Kind seit ihrem 2. Lebensjahr alleine an, duschte, putzte sich die Zähne, fuhr mit dem Rad, ging gerne eislaufen, liebte es zu singen, und als meine 2. Tochter Vanessa nach 10 Jahren geboren wurde, war Tamara die beste große Schwester die es geben konnte. Sie hat sie gefüttert, gewickelt, mit ihr gespielt, sie abgeknutscht und zwei Jahre später hat sie bei Benjamin nochmals das selbe gemacht. Natürlich sind ihre Geschwister im Laufe der Jahre nicht mehr die Kleinen geblieben, sondern seit einigen Jahren passen sie auf sie auf, allerdings wird keine Rücksicht auf sie genommen, sondern auch mal ordentlich ausgeteilt. Teenies sind da nicht zimperlich. Aber alle drei lieben sich noch immer sehr und das freut mich. Heute macht es mich glücklich wenn Tamara die Zeit mit uns genießt, wenn sie lacht geht für mich die Sonne auf. Sie kann zwar nicht schreiben und lesen, und ist in manchen Dingen wie eine 4 jährige, aber sie ist eine kleine Sensation, denn es gibt einen Film von ihr auf der Uniklinik in Graz damit Medizinstudenten sehen, wie viel Liebe, Zuneigung und Fürsorge verändern können und, dass ein Kind dem man quasi das Leben schon abgesprochen  hat, ein fröhlicher Mensch wurde und herum saust, gerne schaukelt, es liebt in Cafes und shoppen zu gehen, ganz normal am Familienleben teilnimmt und trotz ihrer Behinderung ein ziemlich normales Leben führt. Ich weiß die Diagnose „Behinderung“ ist für jede Mutter und Vater wie ein Todesstoß, aber bitte gebt nicht auf, kämpft und vor allem liebt euer Kind und gebt ihm das Gefühl normal zu sein, mehr wollen unsere behinderten Kinder nicht. 

hpim1524

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